Equus Davinia - Von Drachen und Prinzessinnen

Josy trauert um ihr Lieblingspferd, den langbeinigen Schimmel Monsun.
Von ihrem Ersatzpferd, der kleinen, braunen, bockigen Stute Polly, will sie nichts wissen.
 
 Deshalb tröstet sich Josy mit einem neuartigen Computerspiel. In der Gestalt der Hexe Davinia erlebt sie Abenteuer und erhält die Fähigkeit, sich in ein Tier zu verwandeln ... und nimmt ausgerechnet die Gestalt von Polly an.

Leseprobe

Aber egal, wie laut ich rufe, meine Worte gehen im Applaus unter.
„Enedeke, Enemunde, Eneludriel!“
Mir wird schwindlig. Die Worte des Elfenkönigs hallen durch meinen Kopf. Etwas knackt. Es
sind meine Knochen. Sie geben nach, biegen sich, die einen werden länger, die anderen
kürzer. Mein Rückgrat kracht. Ich falle auf alle Viere. Der Boden bewegt sich, scheint unter
mir zu bocken. Ich spreize meine Beine in alle vier Richtungen. Himmel! Ich habe vier Beine!
Und ich stehe auf meinen Finger-, beziehungsweise Zehenspitzen. Die Vorderbeine rutschen
weg. Ich falle auf die Nase. Um keinen Purzelbaum zu schlagen, setze ich mich auf mein
Hinterteil und stemme mich mit den Vorderbeinen hoch. Das ist vielleicht anstrengend!
Meine Beine rutschen wieder weg und ich liege auf dem Bauch. So ein Mist! Dabei wollte ich
nur hier weg!

Hinter mir bewegt sich etwas. Ich springe hoch. Meine Beine rutschen nach allen Seiten
auseinander, egal, wie sehr ich versuche, sie beisammen zu halten. Umsonst! Ich lande auf
dem Bauch, den Hals lang ausgestreckt. Bloß nicht mehr bewegen!
Ich will nur noch nach Hause. Dieses Spiel ist schrecklich! Ich habe mir nie gewünscht, ein
Pferd zu sein, und jetzt rutsche ich mit den Hufen, die vollkommen ungeeignet für diese
glatten Fliesen sind, hier herum! Ich weiß jetzt, wie neugeborene Fohlen sich fühlen. Nur gibt
es in diesem Saal kein weiches Stroh, das mich immer wieder auffängt, wenn ich das
Gleichgewicht verliere.
Außerdem ist es viel zu laut. Ich lege die Ohren an und mache die Augen zu, denn ich sehe
auch viel zu viel. Es ist unheimlich. Ich kann fast rundherum sehen, aber nur die Sachen vor
mir sind richtig scharf. Alles andere ist mehr oder weniger verschwommen. Umso deutlicher
nehme ich Bewegungen wahr. Ich drehe mich zu dem schwarzen Schatten hinter mir um,
indem ich meinen langen Hals biege. Mir wird schon wieder schwindlig. Zum Glück liege
ich, sonst wäre ich wahrscheinlich umgefallen. Zur Sicherheit stütze ich mich trotzdem mit
dem Kinn ab.

Der Schatten entpuppt sich als schwarzer Panther. Er starrt mir ins Gesicht, und er wirkt bei
Weitem nicht so unbeholfen wie ich. Mir wird ganz mulmig und es passt mir gar nicht, vor
ihm auf dem Boden zu liegen. Immerhin ist so ein Panther ein gefährliches Raubtier!
Außerdem fühlen sich die Fliesen unter meinem Kinn verdammt hart an. Versuchsweise hebe
ich den Kopf. Die Vorderbeine habe ich nach vorne gespreizt. Vorsichtig stemme ich mich
Zentimeter für Zentimeter hoch. Nun sitze ich wenigstens.
Soll ich aufstehen? Ich drücke mit den Hinterbeinen auch meinen Po in die Höhe. Himmel! Ist
das wacklig! Ich setze mich sofort wieder hin und strecke meine Vorderbeine steif nach
vorne.
Ich erstarre und hoffe, dass uns der König möglichst schnell wieder zurückverwandelt. Aber
er tut nichts dergleichen. Er sieht uns nur mit einem breiten Lächeln an. Wie kann man bloß
so huldvoll sein? Ich hätte ihm eine reinhauen können. Wenn ich gekonnt hätte! Denn alleine
das Hochsehen zum König bringt mich wieder aus dem Gleichgewicht. Sofort erstarre ich und
halte krampfhaft den Atem an, damit ich wenigstens in der sitzenden Haltung bleiben kann.
Meine Muskeln brennen, meine Beine zittern. Ich beiße die Zähne aufeinander.
„Stellt euch nun euren ursprünglichen Körper vor. Sobald ihr euch genau daran erinnert, wie
er sich anfühlt, werden sich eure Tierkörper zurückverwandeln.“
Wie soll ich das machen? Ich bin zu sehr damit beschäftigt, nicht umzufallen! Neben mir steht
die rothaarige Elfe auf. Was ist sie gewesen? Irgendetwas Weißes. Ein Kaninchen! Ein
riesiges weißes Kaninchen! Wie kommt man auf so etwas? Einen Augenblick lang habe ich
nicht aufgepasst und schon verliere ich den Halt.
Mein Körper kippt zur Seite und meine Hufe rudern hilflos in der Luft. Ich gebe ein Grunzen
von mir, das eher zu einem Schwein gepasst hätte. Zum Glück beweisen mir die runden,
breiten, gleichmäßig geformten Hufe, dass ich ein Pferd bin. Ich gebe auf, versuche gar nicht
mehr, aufzustehen. Wie hat sich der Körper angefühlt, den ich mir für dieses Spiel ausgesucht
habe? Ich erinnere mich an mein Spiegelbild. An die Verzückung, mit der ich die hübsche
Hexe betrachtet habe. Wehe, ich schaffe es nicht, jetzt wieder genauso hübsch zu werden! Ich
will wieder diese langen blonden Haare, die schlanken Beine und Arme, das schöne Gesicht,
die großen blauen Augen.
Die Hufe verschwimmen. Mir wird schwindlig und schlecht. Ich würde mich gerne festhalten,
aber ich weiß nicht woran. Mein Atem wird schneller. Oh mein Gott, ich hechle wie ein Hund. Habe ich mich jetzt etwa in einen Hund verwandelt? Ich reiße meine Augen auf. Mir war gar nicht bewusst, dass ich sie zugemacht habe. Erleichterung durchfährt mich, als ich zarte Finger mit ebenmäßigen Nägeln sehe. Ich bin wieder Mensch.

Der Roman ist für junge und jung gebliebene LeserInnen ab 10 Jahren geeignet.
Er ist als Taschenbuch und als Ebook erhältlich.


Leserstimmen:

   Es ist eine tolle Mischung aus Fantasy im Spiel und eben der Arbeit mit den Pferden in der realen Welt. vor allem fand ich es total toll, dass die Autorin die Gefühle der Pferde so stark in den Vordergrund rückt und es in dem Buch nicht einfach darum geht, das nächste Turnier zu gewinnen. 


 Ich habe das Buch in einem Ritt am verregneten Sonntag durchgelesen und das, obwohl ich schon ein ziemlich großes Mädchen bin. 😊
Viele Situationen aus dem Reitstall kamen mir sehr bekannt vor, das Reality-Computerspiel war gut durchdacht und die ganze Geschichte interessant verwoben.
Nebenbei nehmen viele bestimmt auch noch einiges an Pferdewissen mit, ohne dass es sich wie Lernen anfühlt. 


 Dieses Jungendbuch hat auch mich als Erwachsene sehr begeistert. Die Charaktere und das Setting sind detailliert und liebevoll beschrieben, so dass das Kopfkino direkt bei der ersten Seite starten kann. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen.


 Als pferdebegeisterte Mutter einer pferdebegeisterten Tochter habe ich schon sehr, sehr viel gelesen, was Kinderliteratur mit und über Pferde/n angeht. Viele Bücher sind sehr ähnlich und nach "Schema F" aufgebaut. Umso schöner, wenn man dann mal eines entdeckt, das so ganz anders ist - wie Equus Davinia von Bettina Ferbus.


 Ein spannendes Buch mit perfekter Mischung aus Fantasy und Pferdewissen.


 Die Abschnitte auf dem Ponyhof beweisen Pferdeverstand und vermitteln fundiertes Wissen im Umgang mit den Vierbeinern. Man merkt, dass die Autorin sich auskennt und ihre eigene Erfahrung in die Geschichte mit einfließen lässt. Dabei wird das Wissen aber sehr unterhaltsam und natürlich in die Handlung eingeflochten, ohne jemals belehrend zu wirken. 

 

 

 

Die Idee zum Buch

Es war mein Wunsch, eine geballte Ladung Pferdewissen in eine spannende Geschichte zu verpacken. 

Ich wollte Verständnis für das wunderbare Geschöpf Pferd wecken, es aus möglichst verschiedenen Blickwinkeln zeigen und dabei gut unterhalten.

Vorbild für das Pony Polly war mein Wallach Casper. Deshalb ist ein sitzendes Pferd auf dem Cover zu sehen, denn Sitzen ist seine Lieblingsübung.